Aktuelles

 

Miteinander verbunden bleiben


(Termine: siehe Kirche/ Gottesdienste/Terminkalender)

 


Unsere wöchentlichen Sonntagsgottesdienste um 10.30 Uhr
feiern wir unter folgenden Auflagen in der Corona-Zeit:

          - die 3 G Regel (gestestet-genesen-geimpft) findet keine Anwendung.

          - Es gilt ein Abstand von 2,00 m

          - Eine medizinische oder FFP2-Maske muss im Kirchenraum
            
über die Dauer des Gottesdienstes getragen werden.           .

          - Zur Nachverfolgung etwaiger Infektionsketten ist die
            Abgabe der Kontaktdaten erforderlich.

          - Das Abendmahl wird in kleinen Runden unter Einhaltung der AHA-Regeln gefeiert.

         - Wer mit Menschen, die unter Quarantäne stehen, Kontakt hatte oder selbst an
            Symptomen leidet, die auf Covid-19 hinweisen,
ist gebeten, auf den
            Gottesdienstbesuch verzichten.

             

 Unsere Leseandachten zu den Sonntagen finden Sie auf dieser homepage.

Weitere digitale Gottesdienst-Angebote unter:
www.kirche-heilbronn.de

Gerne werfen wir Ihnen die Andacht
auch in den
Briefkasten.
Bitte geben Sie dazu im Pfarramt Bescheid (Tel. 571485).

Unsere gesamte Gemeindearbeit finanzieren wir über Opfer und Spenden.
Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung.
Konto-Nr. IBAN: DE75 6205 0000 0000 1021 80


      

Andachten

1. Advent 28.11.2021

Verbunden durch Liebe und Internet/ 1. Advent 28.11.2021,

Pfr. Anette Prinz,

Musikstücke: Susanne Weingart-Fink, Kurrende Maulbronn-Leitung: E.Budday

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit dir.

Der 1.Advent läutet ein neues Kirchenjahr ein. Und: Die Wartezeit auf den, der uns zur Erlösung kommt. Diese Hoffnung auf Erlösung war uns selten so nah wie in diesem Jahr, in dem wir alle so Coronamüde sind. Der Wochenspruch verheißt: Siehe dein König komm zu dir. Ein Gerechter und ein Helfer. (Sach 9,9)

EG 1 1. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.
2. Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.

Psalm 24
Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

Gebet Gott, du Barmherziger; ich möchte mich öffnen für dein Kommen. Ich hoffe, dass du unsere Erde verwandelst in einen Ort der Gerechtigkeit und des Erbarmens. Heiland, ich sehne mich nach dir, weil ich mich sehne nach Heilung. Das letzte Jahr hat an mir gezerrt, hat mich müde gemacht, ausgebrannt. Komm Friedenkönig in mein Leben. Weise mich ein in die Regeln deines Schaloms. Vollende du, wozu meine Kraft nicht reicht. Halte meine Hoffnung lebendig auf dich und dein Reich.

EG 7
1 O Heiland, reiß die Himmel auf,herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab wo Schloss und Riegel für.
2. O Gott, ein’ Tau vom Himmel gieß,im Tau herab, o Heiland, fließ. Ihr Wolken, brecht und regnet aus den König über Jakobs Haus.
4. Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal.

Bildbetrachtung: Advent ist die Sehnsucht nach Gerechtigkeit 

Eine halboffene Tür. Auf diesem Bild siehst du die Sehnsucht; die Sehnsucht die der Advent in sich trägt.  
 Um das zu sehen, braucht es nicht viel. Wo du als Betrachter*in bist, ist es eher dunkel. Doch du schaust durch die halboffene Tür. Und schaust Licht. Schaust goldenes Licht. Das Licht ist wie Gold. Dieser Blick ins Gold ist wie eine Verheißung. Es ist, als rufe der goldene Raum dir zu: Komm. Komm doch herein, tritt durch die Tür ins Licht. Wie mag es erst sein, wenn wir drinstehen im Glanz?
Advent ist ein Versprechen. Es wird Licht sein. Es wird Glanz sein.

„Es kommt die Zeit“, spricht der HERR. so beginnt das Versprechen. Der Prophet Jeremia hat diese Worte gesprochen - gute 500 Jahre vor Jesus. Jeremia gehört zu den Propheten, von denen wir verhältnismäßig viel wissen, weil er lange tätig war im Volk Israel. Er hat, könnte man sagen, alles gesehen und vorausgesehen. Er ahnte, dass die Ungerechtigkeiten im Volk nicht gut ausgehen werden; er fühlte, dass Politik mehr sein muss, als die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen; er spürte, dass man nicht nur dann an Gott glauben und ihm dienen kann, wenn es einem gerade mal passt.

Aber Jeremia sah und erkannte nicht nur den richtenden, sondern auch den heilenden Gott, der in schwieriger und heilloser Zeit neue Anfänge setzt; der ungerecht Herrschende durch einen recht Regierenden ersetzen wird:

Bibeltext: Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der HERR unsere Gerechtigkeit« (Jeremia 23,5f)

 

In diesen Worten hörst du die Sehnsucht; die Sehnsucht vieler Menschen und die Sehnsucht eines ganzen Volkes:
„Der HERR ist unsere Gerechtigkeit“. Wir dürfen eine Zukunft haben. Gott sorgt für uns, er kümmert sich, er sieht nach dem Rechten; Wie immer dieses Sorgen auch sein mag – vor allem geht es gerecht zu in Zukunft .
Es ist, als sei -wie auf dem Bild-eine Tür halb offen und verspreche das Licht der Gerechtigkeit.
Wer auf Gott hofft, sehnt sich nach Gerechtigkeit.

So vieles im Leben empfinden Menschen als nicht gerecht – im eigenen Leben oder im Leben derer, die uns am Herzen liegen. Ich sag dir, wer mir im Moment vor Augen ist: Der Schlaganfallpatient, der ob der Überlastung des Gesundheitswesens noch keine ausreichende Therapie bekommt. Die Pflegekräfte auf den Krankenstationen, denen die Kraft ausgeht. Die Menschen, die in der neuen Coronawelle erneut um ihre Existenzen bangen. Die frierenden und hungernden Flüchtlinge an den Grenzzäunen Europas. Der Mann aus der Nachbarschaft, der von einer Minimalrente lebt und darum bangt und hofft, dass er nach dem Tod seiner Frau noch die Wohnung bezahlen kann.

So viele leben in diesen Tagen wie im Dunkeln und hoffen auf die eine offene Tür, durch die Licht fällt.
Vielleicht gehören wir in dieser angespannten Zeit alle dazu.

Jeremias Versprechen ist wie der Lichtstrahl in diesem Dunkel: „Der HERR ist unsere Gerechtigkeit.“ Für uns Christen ist die Ansage Jeremias, dass Gott einen gerechten Spross aus dem Hause Davids erwecken wird, fest mit Jesus verbunden. Der, erzählen die Evangelien, ritt in Jerusalem ein; nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel. In ihm erkannten viele den „Sohn Davids“, der sie aus ihren Dunkelheiten befreien, erlösen wird. Jesus hat diese Erlösung in der Liebe gesehen.
Die Gerechtigkeit, die Jesus uns vorgelebt hat, ist eng mit Liebe verbunden: Der Mensch soll uns Menschen am Herzen liegen. Nicht nur der nahe Freund, auch der geschundene Mensch überhaupt.

„Der HERR ist unsere Gerechtigkeit.“ Diese Verheißung strahlt in die Dunkelheit. An sie darfst du dich anlehnen. Aus ihr darfst du Kraft schöpfen für dein eigenes Tun. Denn Gottes Gerechtigkeit verbreitet dort ihr Licht, wo du selbst anfängst liebevoll gerecht zu sein, gerecht in deinem Denken, in deinem Sprechen und in deinem Handeln.
Du wirst es nicht immer schaffen, aber du magst dich bemühen. Du lebst in und unter dem Versprechen, dass Gott deine Gerechtigkeit ist. Darum wird er dein Herz und deine Hände führen, wenn du sie zur Gerechtigkeit ausstreckst. Lass uns also so freundlich und so aufrichtig wie möglich übereinander sprechen. Lass uns achtsam miteinander sein und uns umeinander kümmern und nicht nur um uns selbst.

Noch einmal der Blick durch die halb geöffnete Tür. Möchtest du nicht noch den einen Schritt gehen und dich ins Gold hineinstellen? Tu es. Geh den Schritt. Es ist immer der Schritt auf den anderen zu.

Ermahne dich selbst freundlichst, dass du ein wenig Gerechtigkeit zu denen bringen kannst, die im Dunkeln leben. Dann geht dir selber das Herz auf. Es wird sein, als strahle es in Gold.
Es werden die satt, verspricht Jesus, die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit (Mt.5,6).

Ja, geh einen Schritt ins Gold – durch die offene Tür. Dort wirst die Gerechtigkeit für dich empfangen,
die du an anderen tun. Im Segen lebt, wer andere segnet.

EG 658
Kehrvers: Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn. Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.
1. Dein Reich in Klarheit und Frieden, Leben in Wahrheit und Recht. Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.
2. Dein Reich des Lichts und der Liebe lebt und geschieht unter uns. Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.
4. Sehn wir in uns einen Anfang, endlos vollende dein Reich. Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

Gebet
Lebendiger Gott, jetzt zähle ich wieder die Tage. Du willst auf die Welt kommen. Als Mensch. Das ist deine Tür zur Erde. Du willst die Mauern der Trennung und des Streits öffnen. Du bist die Tür zum Frieden. Ich will mich selbst öffnen für dich und für die Menschen, damit deine Liebe sichtbar wird. Du bist die Tür zum Leben. Vater unser

EG 555

1. Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit, durchbricht die Nacht und erhellt die Zeit. Licht der Liebe, Lebenslicht. Gottes Geist verlässt uns nicht. Licht der Liebe, Lebenslicht, Gottes Geist verlässt uns nicht.
2. Ein Licht weist den Weg, der zur Hoffnung führt, erfüllt den Tag, dass es jeder spürt. Licht der Liebe …
3. Ein Licht macht uns froh, wir sind nicht allein. An jedem Ort wird es bei uns sein. Licht der Liebe …

Segen GOTT segne dich und behüte dich. GOTT lasse sein Angesicht leuchten über
 und sei dir gnädig. GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Friede

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten 1. Advent. Ihre Pfarrerin

Letzter So. im Kirchenjahr 21.11.2021

Verbunden durch Liebe und Internet/ Letzter So. im Kirchenjahr 21.11.2021,
Pfr. Anette Prinz, Musikstücke: Susanne Weingart-Fink

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit dir.

Wir wissen, dass unsere Zeit auf der Erde begrenzt ist. Wir wissen auch: Gottes Liebe kennt diese Grenze nicht. Das zu bedenken macht klug, und manchen vermag es auch zu trösten, gerade heute am Ewigkeitssonntag, an dem wir unserer Toten gedenken. Im Wort für diese letzte Woche im Kirchenjahr heißt es:
Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. (Ps 90,12)

Psalm 121 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts. Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingangvon nun an bis in Ewigkeit!

Gebet: Herr der Zeit und der Ewigkeit, du füllst unser Leben mit kostbaren Stunden voller Glück, voller selbstvergessener Freude. Am liebsten möchten wir dann die Zeit anhalten. Aber alles vergeht. Aus deiner Zeit empfangen wir auch die Stunden, die uns belasten: Abschiede und Niederlagen, Schmerz und Kränkung. Doch auch das Schwere vergeht und quält nicht für immer. Wir vertrauen darauf, dass unser Leben zu allen Zeiten bei dir, Gott geborgen, bleibt.

NL 159 Ich seh empor zu den Bergen voller Sehnsucht: Wo ist Hilfe? Mein Beistand kommt von dem Einen. Alle Welt liegt in seiner Hand. 3. Er möge dein Leben bewahren und wende Gefahr von dir ab, behüte all deine Schritte bis ans Tor seiner Ewigkeit. Ich seh empor zu den Bergen …

Bibeltext: Der Seher Johannes gibt Einblick in Gottes Ewigkeit: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. … Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Klage noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe! Denn diese Worte sind wahrhaft und gewiss“. (Off. 21,1-5)

Dieser Sonntag trägt die Ewigkeit in seinem Namen. Es wird noch etwas sein, sagt die Bibel in mancherlei Texten. Ewigkeit ist das, was noch sein wird.
Die Erde ist nicht alles, unser Leben auch nicht. Daran glaubt man nicht immer, ich weiß. Daran kannst du auch nicht immer glauben. Manchmal bist du mit allen Sinnen auf der Erde und in deinem Leben – du planst, du sorgst dich, musst dieses und jenes unbedingt verrichten; musst vieles bewältigen,
manches einfach überstehen. In solchen Zeiten ist alles Denken und Überlegen in Sachen Ewigkeit weit weg oder gar nicht vorhanden.

Aber es gibt ja auch andere Tage und Wochen. Dann nämlich, wenn deine Pläne nicht aufgehen und das Sorgen übergroß wird; wenn das, was du immer getan hat, plötzlich nicht mehr nötig ist, wenn du dich wie aus der Bahn geworfen fühlst. Wenn du dich plötzlich im Krankenhaus wiederfindest und dein Leben überdenken musst. Wenn du die eigene Hinfälligkeit spürst oder sie wahrnimmt an einem Menschen, den du lieb hast. Wenn Familien vor einem Grab stehen und nach dem Warum fragen. Wenn die Frage überdeutlich wird: Und jetzt?

Das sind Tage, an denen unsere Lebenswelt einen erheblichen Riss bekommt und wir erst einmal nicht mehr so recht weiterwissen. Das gewohnte Leben beginnt zu wackeln, manchmal droht es einzustürzen oder es stürzt ein, Gott sei’s geklagt. Klage und Frage stehen dann oft dicht beieinander. Das eigene Gottvertrauen bekommt womöglich tiefe Risse.
Hat Gott mir wirklich nur dieses Leben zu bieten, das ich lebe und das mir gerade zweifelhaft wird?
Ein Leben, das ich -wie es war- vielleicht nicht fortsetzen kann; das sich verändern wird, oder sich schon verändert hat.  „Nein“, sagt die Bibel auf diese Frage. „Nein“, sagen die Propheten, sagt Jesus, sagen Paulus und der Seher Johannes.

Sie sind immer noch unsere wichtigsten Zeugen, wenn es um die ernste Frage geht, ob Gott nicht mehr zu bieten hat als dieses eine Leben. Er, der Ewige, hat Ewigkeit um sich herum. Gott lebt im Raum der Ewigkeit, den wir uns schwer vorstellen können – und das Leben darin auch nicht. Aber es gibt ja Bilder, Vorstellungen, Visionen wie die des Johannes im letzten Buch der Bibel.

So könnte es sein: Ewigkeit ist der Raum, in dem keine Klage, kein Weinen kein Schmerz, kein Leid und kein Tod mehr existieren. Ewigkeit ist der Ort, an dem wir aller körperlichen und seelischen Belastungen hinter uns lassen. Ewigkeit ist der Teil der Zeit, in dem Gott nicht länger unfassbar, sondern fassbar nahe ist.

So greifbar nahe ist Gott, dass er uns höchstpersönlich jede einzelne Träne von den Augen abwischen wird. Es ist ein Bild größter Fürsorge. Gottes großer Plan mit den Menschen beginnt mit dieser sanften Geste: Tränen abwischen. Was für ein zärtlicher Neubeginn!
Nicht nur für die Verstorbenen. Sondern auch für alle, die mit schweren Herzen hier sitzen und selbst immer wieder Tränen vergießen.

Tränen abwischen ist noch nicht Tränen trocknen, denn manche weinen lange. Tränen abwischen bedeutet Mut machen, um wieder klar zu sehen und langsam zu begreifen: es bleibt nicht so, wie es ist

Tränen abwischen ist Mütterdienst, ist Väterdienst, manchmal auch der von Großeltern; Tränen abwischen ist ein Freundes- und Freundinnendienst derer, die zeigen: Ich bin da für dich.
Ich wünsche dir, dass du so jemanden in deiner Nähe hast. Greifbar nahe!

Der Ewigkeitssonntag will uns erinnern: Das was du jetzt vor Augen hast, das, was dir vielleicht das Herz schwer macht, ist noch nicht alles. Und das soll keine Vertröstung sein. Denn im Licht der Ewigkeit wird der miesen Zeit, der Trauer und dem Tod die Alleinherrschaft und Endgültigkeit abgesprochen.
An die Ewigkeit denken und von ihr sprechen heißt: Hoffen lernen. Glauben lernen an diesen ewigen Ort für unsere Toten. Ewigkeit ist das, was noch sein wird. In Gott selbst. Für die Verstorbenen ist es der Raum ohne Leid, ohne Schmerz und ohne Tränen. Und wenn du die deinen so geborgen glauben kannst, können aus deinen Trauertränen auch immer wieder einmal Freudentränen werden.

NL 22 1. Dir, Gott, will ich vertrauen in schwerer Zeit. Ich will auf Hoffnung bauen – trotz Traurigkeit;
will weinend doch klar spüren, wie du Kraft gibst. Du wirst durch Dunkles führen, weil du uns liebst.
Du wirst durch Dunkles führen, weil du uns liebst.
2. Dir, Gott, will ich Dank sagen für schöne Zeit, für Glück in guten Tagen, für Leichtigkeit. Ich möchte nie
vergessen, was uns gelang: so reiche Interessen, so viel Gesang, so reiche Interessen, so viel Gesang.
3. Dir, Gott, will ich auch klagen vertane Zeit, die ungestellten Fragen und manchen Streit. Nimm auf in dein Erbarmen versäumtes Tun. Birg uns in deinen Armen, sei nahe nun, birg uns in deinen Armen, sei nahe nun.
4. Dir, Gott, in Tod und Leben gehört die Zeit. Gib Kraft, nun herzugeben, schenk Ewigkeit. Du Zuflucht im Erschrecken, du Trost allein. Du wirst uns wieder wecken zu neuem Sein. Du wirst uns wieder wecken zu neuem Sein.

Gebet: Ewiger Gott, ich vertraue Dir die Menschen an, um die ich trauere. Schenk ihnen jenseits unsrer Stunden Heilung aller Wunden in der tröstenden Kraft deiner Ruhe. Ich vertraue dir meine Trauer an. Sei mir nahe in Schmerz und einsamen Stunden. Schenke meinen tränentrüben Augen wieder einen klaren, zuversichtlichen Blick. Ich lege dir unsere leidzerrissene Erde ans Herz. Senke dein Erbarmen auf sie herab. Hilf uns Tränen zu trocknen und Kummer zu stillen und einander freundlich und achtsam zu begegnen.
Vater unser

EG 628 Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir. 3.Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn. Hilflos seh ich, wie die Zeit verrinnt. Stunden, Tage, Jahre gehen hin, und ich frag, wo sie geblieben sind. Meine Zeit …

Segen GOTT segne dich und behüte dich. GOTT lasse sein Angesicht leuchten über
und sei dir gnädig. GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden.

Reformationssonntag, 31.Oktober 2021

Verbunden durch Liebe und Internet / Reformationssonntag, 31.10.2021,

Pfr. Anette Prinz
Musikstücke: Susanne Weingart-Fink

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit dir.

Vor über 500 Jahren ist die Kirche aufgerüttelt worden durch mutige Menschen. Seitdem geht die evangelische Kirche ihren Weg durch die Zeit: Mal voller Hoffnung, mal sorgenvoll und immer wieder durch Schuld und Vergebung. Doch egal, was sich wandelt: Wir stehen auf festem Grund! So sagt es der Paulus:
Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1.Kor. 3,11)

EG 357
1. Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht, wenn alles hier im Staube wie Sand und Staub verweht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen prellt.
3. Auch kenn ich wohl den Meister, der mir die Feste baut, er heißt der Herr der Geister, auf den der Himmel schaut, vor dem die Seraphinen anbetend niederknien, um den die Engel dienen: ich weiß und kenne ihn.4. Das ist das Licht der Höhe, das ist der Jesus Christ, der Fels, auf dem ich stehe, der diamanten ist,
der nimmermehr kann wanken, der Heiland und der Hort, die Leuchte der Gedanken, die leuchten hier und dort

Psalm 46 Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. … Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Kommt her und schauet die Werke des Herrn, der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet, der den Kriegen steuert in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt. Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin! Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Gebet : Heute, gütiger Gott , kann ich die große Angst, die Menschen früher vor dir hatten, kaum noch nachvollziehen. Was mir bleibt, ist die wunderbare Erkenntnis, dass dich nicht nach Leistung verlangt, sondern allein nach Liebe. Dass du die Herzen ansiehst und nicht das, was wir vorweisen können. Was mir bleibt ist die wunderbare Erkenntnis, dass ich nicht auf meine Fehler festgelegt bin, sondern du mir immer wieder Raum für einen neuen Anfang gibst. So kann ich leben, ohne an mir zu verzweifeln. Dafür danke ich dir.

Nl 29
Refrain Du stellst meine Füße auf weiten Raum, du trägst mich auf Flügeln der Liebe. Freiheit beginnt, wenn wir Gott vertraun, er stellt uns auf weiten Raum.
1. Sorgen legen sich über unser Herz, halten uns zurück. Ängste schnüren ein, und die Hoffnung weicht von uns Stück für Stück. Doch wen das Licht des Himmels streift, sieht den Morgen kommen und begreift. Oh, oh, oh. Du stellst meine Füße auf weiten Raum …
3. Gottes weiter Raum schenkt uns Sicherheit, lässt uns vorwärts gehn. Seine Hand hält uns in dem Sturm der Zeit, nichts wird uns geschehn. Denn wer ihm glaubt und ihm vertraut, hat auf Fels und nicht auf Sand gebaut. Oh, oh, oh. Du stellst meine Füße auf weiten Raum …

Bibeltext: Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts nützen. Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen. Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.(Gal 5,1-6)

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ Was für ein großartiger Satz ist das! Und was für ein schwieriger zugleich. Als Paulus ihn niederschrieb, griff er in einen konkreten Konflikt ein, der im noch jungen Christentum aufloderte. Die jüdischen Christen meinten, es müssten noch bestimmte Gesetze der Tora erfüllt sein, bevor einer Christ werden kann. Ganz oben stand die Beschneidung. Die nichtjüdischen Anhänger Christi hielten dagegen: ‚Wenn ich Christ werde, dann nur so wie ich bin. Dazu muss ich nicht erst Jude werden‘. Paulus stärkt diese Position. Für ihn ist klar: Der christliche Glaube eines Menschen nährt sich nicht durch die Erfüllung von Gesetzen, sondern allein durch die Liebe, die ein Mensch hat zu Gott und gegenüber seinen Mitmenschen. „Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist‘.
Interessant finde ich Paulus Argument gegenüber denen, die damals auf der Beschneidung für alle beharren: „Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist“. Mich erinnert es an die Diskussionen, die wir in unserer Gemeinde zum Thema Homosexualität und der Frage nach Segnungsgottesdiensten für gleichgeschlechtliche Ehepaare geführt haben. Auch da war die Gefahr groß, einzelne biblische Gesetze für bindend zu erklären, andere aber nicht.

Die Frage ist, ob Gesetz und Liebe sich ausschließen. Meine Antwort: Nicht unbedingt. Aber immer dort, wo Menschen aufgrund von gesetzlichem Denken ausgeschlossen bleiben von Teilhabe an christlichen Glaubensbereichen und damit ja auch von der Teilhabe an Christus.

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ – Für Martin Luther und seine Weggefährten war das eine der biblischen Erkenntnisse, die die Reformation der Kirche vorantrieben. Luther ging es dabei weniger um die jüdischen Gesetze als um jede Form der Selbstrechtfertigung durch Übungen, Zeremonien und Werke, die der Mensch leistet. Sein eigenes Klosterleben, in dem er durch die Einhaltung strenger Regeln Gott zu gefallen suchte, stand ihm dabei vor Augen. Sein Hauptgesichtspunkt war: Was immer der Mensch erfindet, um sich damit sein Gutsein -sein Heil- vor Gott zu verdienen, wird scheitern. Denn das Gewissen lässt sich dadurch nicht ruhig stellen. Niemand kann sich selbst freisprechen von Schuld. Freisprechen kann uns immer nur ein anderer. Freisprechen kann einen Christenmensch nur Christus.

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“- Wie schwierig es wird mit diesem Satz, wie katastrophal es sich auswirkt, wenn Menschen dabei allein an die eigene Freiheit denken, musste schon Luther erleben, als er mit dieser Erkenntnis für Veränderung im kirchlichen Leben warb. Nonnen und Mönche wollten frei werden -klösterliches Leben brach landstrichweise zusammen. Bauern wollten keine Leibeigenen mehr sein, wählten den Freiheitskampf und bezahlten ihn bitter mit einem großen Sterben. „Der Glaube, der durch die Liebe tätig ist“, ging in blutigen Gefechten unter. Es ging unter, dass es keine Freiheit ohne die Liebe gibt, dass sie aufeinander bezogen bleiben müssen.
Es ging unter, dass Luther nicht nur geschrieben hatte: Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan“. Sondern auch: “ Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“. Oder kurz gesagt: Ein Christ ist frei aber er muss auch dienen.

Hier zeigt sich, wie kompliziert es mit der Freiheit wird. Wenn du 18 Jahre wirst, erahnst du es vielleicht. Jetzt bist du volljährig und frei vom Bestimmungsrecht der Eltern. Gleichzeitig kommen neue Verantwortungen auf dich zu. Wenn ich meinen ehemaligen Konfirmanden zu ihrem 18. Geburtstag gratuliere, dann schreibe ich oft den Wunsch dazu: ‚Dein Leben zwischen diesen beiden Polen von Freiheit und Verantwortung möge dir gelingen.‘

Die eigene Freiheit hört da auf, wo die Freiheit des anderen beschädigt wird. Das ist wichtig und kompliziert zugleich. Genauso wie Luthers Erkenntnis: Ein Christ ist frei aber er muss auch dienen. (Diesen Gedanken hat er übrigens von Paulus übernommen, wenn der schreibt: „Ich bin in allem frei, aber ich diene allen (1.Kor.9,6)

Passt das zusammen; Freiheit und Dienen? Für mich stellt es sich so dar: Nur wenn ich mich innerlich frei fühle, kann ich auch für andere da sein, ohne es mit eigenen Erwartungen zu verbinden. Ehrlich dienen kann ich nur aus freien Stücken. Und genauso sehe ich das mit den Grenzen der eigenen Freiheit: Nur wenn ich mich innerlich frei fühle, dann behalte ich auch die Freiheit des anderen im Blick. Dann brauche ich nicht immer Recht zu haben.

Die derzeitige Pandemielage stellt unseren Umgang mit Freiheit auf eine harte Probe. Die einen fühlen sich ihrer Freiheitsrechte beraubt, wenn sie sich impfen lassen müssen. Die anderen fürchten um ihre Freiheit, wenn sich
nicht genug Menschen der Impfung unterziehen. Ich weiß nicht wirklich, wie sich dieses Dilemma lösen lässt. Sehe nur in anderen Ländern Menschen durch wirklichen Freiheitsentzug leiden und sterben. Und denke auf einmal: im Streit ums Impfen in unserem Land geht es nicht wirklich um Freiheit, sondern darum, selbst Recht zu behalten. Und da wird es wieder gesetzlich. Und Paragraph wird gegen Paragraph ausgespielt.

Ich will mich in dieser und ähnlichen Situationen erinnern lassen: Ich bin Christin. Das Evangelium sagt mir: Die Liebe steht über dem Gesetz, selbst wenn das mir Recht gibt. Die Freiheit, die Christus lehrt, ist die, von mir und meinem Recht absehen zu können und danach zu fragen, was brauchen die anderen? Und noch genauer mit Jesus hingeschaut: Was brauchen die Schwächsten?
Was braucht es also in der Pandemie, dass niemand mehr dem Covid-19 Virus erliegen muss? Was braucht es, das erschöpftes Krankenhauspersonal und Laborpersonal wieder aufatmen kann. Für mich steht die Antwort fest. Wie denkst du darüber?

EG 360
1. Die ganze Welt hast du uns überlassen, doch wir begreifen deine Großmut nicht. Du gibst uns frei, wir laufen eigne Wege in diesem unermesslich weiten Raum.
Kehrvers: Gott schenkt Freiheit, seine größte Gabe gibt er seinen Kindern.
2. Du lässt in deiner Liebe uns gewähren. Dein Name ist unendliche Geduld. Und wir sind frei: zu hoffen und zu glauben, und wir sind frei zu Trotz und Widerstand. Gott schenkt Freiheit …
3. Wir wollen leben und uns selbst behaupten. Doch deine Freiheit setzen wir aufs Spiel. Nach unserm Willen soll die Welt sich ordnen. Wir bauen selbstgerecht den Turm der Zeit. Gott schenkt Freiheit …
5. Wenn du uns richtest, Herr, sind wir verloren. Auf unsern Schultern lastet schwere Schuld. Lass deine Gnade, Herr, vor Recht ergehen; von gestern und von morgen sprich uns los. Gott schenkt Freiheit …
6. Gib uns die Wege frei, die zu dir führen, denn uns verlangt nach deinem guten Wort. Du machst uns frei, zu lieben und zu hoffen, das gibt uns Zuversicht für jeden Tag. Gott schenkt Freiheit …

Gebet: Vor dir Gott, zählt nichts als mein Glaube. Vor dir zählt, ob ich Liebe im Herzen habe, nicht nur für mich , sondern auch für die, die anders sind wie ich. Für dich zählt, ob ich nicht nur meine Meinung achte, sondern auch die der Andersdenkenden. Ich möchte es nicht vergessen. Ich bitte dich, hilf mir danach zu leben. Und lass mich deine Liebe spüren, auch wenn ich irre. Vater unser

EG 347
1. Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.
2 Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, dass uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.
4. Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

Segen: GOTT segne dich und behüte dich. Er bleibe dir zugewandt und gebe dir Frieden.

 

 

 

 

Lese-Gottesdienst am 14. November 2021

Lese-Gottesdienst am 14. November 2021

(Text: Pfr. Koring. Musik-Einspielung: Susanne Weingart-Fink)

 

Gott sei mit euch – in der Gnade, die Jesus Christus, unser Herr, gewährt;
in der Liebe, die Gott schenkt; in der Gemeinschaft, die der Heilige Geist bewirkt.

Bewerten, beurteilen, verurteilen – wir blasen auf, wir machen nieder. Gott misst nicht unsere Leistung, sondern fügt Gunst und Wohlwollen hinzu: Vor Gott brauchen wir nichts zu verbergen, weder im Stolz noch in Scham.

379 Gott wohnt in einem Lichte, dem keiner nahen kann. Von seinem Angesichte trennt uns der Ichsucht Bann.
Unsterblich und gewaltig ist unser Gott allein, will König tausendfaltig, Herr aller Herren sein.

Und doch bleibt er nicht ferne, ist jedem von uns nah. Ob er gleich Mond und Sterne und Sonnen werden sah,
mag er dich doch nicht missen in der Geschöpfe Schar, will stündlich von dir wissen und zählt dir Tag und Jahr.

Auch deines Hauptes Haare sind wohl von ihm gezählt. Er bleibt der Wunderbare, dem kein Geringstes fehlt.
Aus seinem Glanz und Lichte tritt er in deine Nacht: Und alles wird zunichte, was dir so bange macht.

Nun darfst du in ihm leben und bist nie mehr allein, darfst in ihm atmen, weben und immer bei ihm sein.
Den keiner je gesehen noch künftig sehen kann, will dir zur Seite gehen und führt dich himmelan.

741 Herr, höre mein Gebet und lass mein Schreien zu dir kommen!
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not, neige deine Ohren zu mir, wenn ich rufe!

Denn meine Tage vergehen wie ein Rauch, meine Gebeine brennen wie von Feuer.
Meine Tage fliehen dahin wie ein Schatten, ich verdorre wie Gras.

Ich bin wie die Eule in der Einöde, wie das Käuzchen in den Trümmern.
Ich wache und klage wie ein einsamer Vogel auf dem Dache.

Mache dich auf und erbarme dich unser; sieh vom Himmel auf die Erde.
Höre das Seufzen der Gefangenen, mach los die Kinder des Todes. (Psalm 102)

Die Bitten der Hungernden, die Schreie der Unterdrückten, die Klagen der Leidenden treffen oft auf taube Ohren
Gott, erbarme dich ihrer!
Dein Wort weckt uns das Ohr, damit wir auf ihre Bitten, Schreie und Klagen eingehen; aus ihrem Mund rufst Du: Mensch, erbarme dich ihrer! Worte, Taten, Unterlassungen, Mühe und Glück werfen Schatten auf uns. Komm mit Licht und Klarheit, mit Trost und Frieden, lass dich bitten: Gott, erbarme dich unser! Amen.

Hiob 14 Was ist der Mensch? Sein Leben ist kurz, und doch voller Unruhe. Wie eine Blume blüht er auf und wird abgeschnitten. Wie ein Schatten flieht er und bleibt nicht hier. Seine Tage sind begrenzt, die Zahl seiner Monate steht fest, er kann sie nicht überschreiten. Lass ihm ein bisschen Lebensfreude wie einem Tagelöhner, der nach der Arbeit ruht.
Für einen Baum gibt es Hoffnung. Wenn er gefällt wird, treibt der Wurzelstock wieder aus. Anders ist das bei einem Menschen: Wenn er stirbt, dann ist es aus mit ihm. Er legt sich hin und steht nicht wieder auf. Ich wünschte, du würdest mich in der Unterwelt verbergen! Wenn der Tag kommt, wirst du an mich denken. Du wirst mich rufen und ich dir antworten, und du könntest dich an deinem Geschöpf wieder freuen.

134 5. Wird uns auch um Troste bange, dass das Herz oft rufen mag: Ach mein Gott, mein Gott, wie lange?
O so mache den Beschluss: sprich der Seele tröstlich zu und gibt Mut, Geduld und Ruh.

2. Kor 5 Unser Leib wird wie ein Zelt abgebrochen werden. Von Gott erhalten wir ein neues Zuhause. Das ist von Gott erbaut, nicht von Menschenhand gemacht, ein Haus für ewig im Himmel. Darum seufzen und sehnen wir uns danach, von dieser himmlischen Behausung umhüllt zu werden. Solange wir noch in dem vergänglichen Leib leben, stöhnen wir wie unter einer schweren Last. Wir würden die gebrechliche Hülle am liebsten nicht unter Mühsal ablegen, sondern gleich mit dem göttlichen Licht überkleidet werden. So könnte das, was an uns vergänglich ist, im neuen Leben aufgehen. Daran hat Gott uns im Voraus Anteil gegeben durch seinen Geist. Ihm zu gefallen ist für uns Ehrensache.

1 Wohl uns, wenn wir wissen, wo wir wohnen werden. Zum Leben brauchen wir ein Zuhause und vertraute Menschen an unserer Seite. Wohltuend ist das Wissen um das künftige Zuhause für diejenigen, die mit ihrer Arbeit auch ihre Wohnung wechseln; am neuen Ort sich einzuleben fällt leichter, wenn die Wohnung den Bedürfnissen entspricht.

Wir möchten bis zum letzten Atemzug selbstbestimmt leben. Doch Einschränkungen, Leiden und manchmal ein früher Tod machen unsere Wünsche zunichte. Es ist wohltuend zu wissen, wo wir unser müdes Haupt hinlegen, wenn wir uns nicht mehr allein versorgen können. Aber auch die beste Pflege bietet keine bleibende Heimat. Auch bei unseren Kindern oder im Altersheim sind wir Gast auf Zeit. Eines Tages haben alle irdischen Behausungen ausgedient. Das letzte Haus, das wir verlassen, ist unser Körper selbst. Leichter stirbt, wer ein inneres Zuhause hat.

Von dem uns allen auferlegten Wohnungswechsel zu sprechen fällt uns schwer - zu Lebzeiten und wenn’s ans Sterben geht. Häufig wollen Sterbende ihre Angehörigen schonen; und diese scheuen sich, mit dem schwachen Vater oder der kranken Mutter über den bevorstehenden Abschied zu reden. Wohl denen, die wissen, wo sie wohnen werden. Haben wir Wissen - oder nur Redeweisen? Der Apostel Paulus betont:

Wir wissen, wenn unser irdisches Haus, dieses Zelt, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau,
der von Gott errichtet wird, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.

Während der Tod Beziehung abschneidet, knüpft die Liebe Beziehung neu an. Die Toten sind in der Liebe bewahrt. Die Gewissheit, dass die Liebe niemals endet, wirkt dieses Wissen, wo wir wohnen werden, wenn wir die sichtbare Welt der Vergänglichkeit verlassen. Liebe ist der Atem des Herzens. Wenn Angst uns die Kehle zuschnürt, macht dieser geistliche Atem unser Herz weit. Wenn Sorge uns erdrückt, Vorurteil uns blind macht, Eifersucht uns verführt, macht der göttliche Atem uns frei. Wenn Zweifel uns einhüllt, wenn Trauer uns gefangen nimmt, führt Gott uns hinaus ins Weite. Das haben wir nicht nur einmal erlebt, sondern oft. In dieser Erfahrung sind wir zuhause, da können wir immer wieder neu einziehen. In Freud und Leid, im Leben wie im Tod werden wir bei Gott wohnen. Da sitzen wir an der Quelle der Geborgenheit, unter dem Dach des Friedens, am Herdfeuer der Liebe, wir werden satt an Trost und Zuversicht und Freude. Kann das jemals aufhören? Nein. Wie Gott in unseren Erdentagen uns trägt und zugleich in uns wohnen will, so werden wir bewahrt bleiben in Güte und Erbarmen und in Gott wohnen. Wenn unser Leib wie ein Zelt abgebrochen wird, erwartet uns ein Haus, das nicht mit unserer Hände Arbeit errichtet, aber von Gott erbaut ist.

3 Der Weg dorthin geht durch Seufzen und Sehnen. Was Worte nicht fassen können und der Verstand nicht mit eigener Erfahrung bestätigen kann, drückt sich in einem Seufzer aus. Aus der Tiefe der Ohnmacht steigen unsere Seufzer zu Gott auf. Seufzend atmen wir uns selbst Gott entgegen und suchen Heimkehr zu Gott.

Freilich, seufzend nehmen wir Abschied vom Leben und von unseren Lieben. Abschied tut weh. Manche seufzen, weil sie an Bedeutung verlieren, ihre Marmorvilla verlassen müssen. Andere seufzen, weil sie es in der Enge und Not ihrer leiblichen Behausung nicht länger aushalten können. Gefolterte möchten lieber sterben als weiterhin der Qual ihrer Misshandlung ausgesetzt zu sein. Manche jedoch haben die Qual ihrer Misshandlung gerade durch die Gewissheit überstanden, dass sie bei Gott wohnen werden, wenn ihr irdisches Zelt zerbricht. Darum gedenken wir der Märtyrer.

Wir kennen Menschen, die schon lange an einer schweren Krankheit leiden. Sie durchlaufen ein Auf und Ab der Gefühle, wünschen sich manch­mal den Tod und manchmal das Leben. Manchen Trauernden ist das Herz so schwer, dass sie lieber selber anstelle ihres Partners gestorben wären. Können wir mitfühlen, dass sie ihr eigenes Dasein als so wertlos ansehen, dass sie daraus entfliehen möchten, um bei dem geliebten Menschen zu sein?

Die Todessehnsucht hat viele Gesichter. Sie wohnt nicht selten in jungen Menschen. Manche hassen ihr Leben, weil es innerlich vergiftet und von einer zerstörerischen Macht beherrscht ist. Wie von einem Strudel fühlen sie sich in den Abgrund gezogen. Nimmt erst einmal der Tod in der Seele überhand, legen sie zwangsläufig auch an ihren Leib Hand an. Die Ursache dafür ist oft eine tiefe Verletzung, die nicht aufgedeckt und geheilt werden konnte und die keine Wiedergutmachung erfahren hat.

Ich denke an eine 22jährige Frau, die immer wieder den Sprung in den Tod suchte, weil sich der Teufel von jedem Baum aus in ihr Zimmer schwang. Im Teufel war freilich jener Bursche aus dem Nachbarhaus verborgen, der einst in einer Sommernacht ins Zimmer eingedrungen und die 17jährige vergewaltigt hatte. Seit der Teufel enttarnt und die Verletzung aufgedeckt ist, kann und will die junge Frau wieder leben.

4 Schauen wir auf Paulus selbst: Was für einen Lebensweg hatte er: Zeltmacher war sein Broterwerb, zu Fuß hat er Palästina und Syrien und die Gebirge der Türkei durchquert, ist schiffbrüchig dem Tod nahe gewesen, in den Großstädten Philippi, Athen, Ephesus ist er gefoltert worden und mit Gefängnis bestraft worden.

Aus mehrmaliger Haft hat er seine Briefe geschrieben, auch die Worte, die wir heute bedenken. Wir staunen, dass der Tod ihm nicht die Gewissheit rauben konnte, wo er wohnen wird, wenn das Schwert sein Leben beenden wird.
Die Schmerzen am Leibe, das zermürbende Warten auf das Urteil, die Furcht vor den Löwen oder dem Schwert – das lässt ihn seufzen und sehnlich ein sanftes Ende wünschen. Lieber als Qualen zu erleiden würde er seinem Schicksal enthoben und in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen werden. So oder so, im Sterben erwartet Paulus das Leben. Sein Dasein stürzt nicht in einen Abgrund, der alles auslöscht, vielmehr wird er hineingezogen in eine Verwandlung, die neues Leben hervorbringt.

5 Diese Gewissheit, wo wir wohnen werden, gründet auf der Erfahrung von Liebe, die im Vertrauen wurzelt und auf Erfüllung hofft. Über Stock und Stein sind wir in dieser Gewissheit unterwegs. Obwohl wir noch Ängsten, Leiden und Schmerzen ausgesetzt sind, sind wir dennoch getrost, ans Ziel zu gelangen. Wie schwer unser Weg auch sein mag – wir freuen uns darauf, dass unser Leben einmündet in das ewige Zuhause.

So gehen wir Christus entgegen und achten darauf, ihm zu entsprechen. Wir wollen leben, wie es ihm wohlgefällt. Wir möchten als treu befunden werden – nicht kleingläubig, nicht wankelmütig. Den Geist der Liebe haben wir empfangen als Unterpfand. Diese Geistkraft soll in uns brennen, andere Herzen entzünden und in die Welt ausstrahlen. Uns gibt sie die nötige Geduld in Trübsal, die Ausdauer im Gebet, und die Vorfreude der Hoffnung. Wohl uns, wenn wir wissen, wo wir wohnen werden. Erfüllt vom Lebensatem werden wir in Gott sein und Gott in uns. Amen.

+22 Dir, Gott, will ich vertrauen in schwerer Zeit. Ich will auf Hoffnung bauen trotz Traurigkeit;
will weinend doch klar spüren, wie du Kraft gibst. Du wirst durch Dunkles führen, weil du uns liebst, //.

Dir, Gott, will ich Dank sagen für schöne Zeit, für Glück in guten Tagen, für Leichtigkeit.
Ich möchte nie vergessen, was uns gelang: so reiche Interessen, so viel Gesang, //.

Dir, Gott, will ich auch klagen vertane Zeit, die ungestellten Fragen und manchen Streit.
Nimm auf in dein Erbarmen versäumtes Tun. Birg uns in deinen Armen, sei nahe nun, //.

Dir, Gott, in Tod und Leben gehört die Zeit. Gib Kraft, nun herzugeben, schenk Ewigkeit.
Du Zuflucht im Erschrecken, du Trost allein. Du wirst uns wieder wecken zu neuem Sein, //.

Gott, du hast die Welt in den Kreislauf von Werden und Vergehen gestellt. Mit Güte und Erbarmen bringst Du stets neues Leben hervor. Wir aber zerstören die Lebensräume der Erde, durch Habgier und Unvernunft rotten wir ganze Arten von Lebewesen aus. Wir erschrecken vor dem, was wir anrichten. Wandle unsere Intelligenz, die versteht auszubeuten, zu einer Intelligenz, die versteht zu bewahren. Wandle unsere Intelligenz, die versteht auszubeuten, zu einer Intelligenz, die versteht zu bewahren. Zeige uns, wie wir handeln und helfen können.

In wirtschaftlichen Verflechtungen sind wir beteiligt an Ausbeutung und Unrecht. In unserer Nahrung und Kleidung stecken Schweiß und Blut der Armen. Hilf uns, unsere Ansprüche an den Bedürfnissen der anderen auszurichten, Lass uns denen helfen, die mitten im Überfluss überflüssig geworden sind. Führe uns von der Konkurrenz zur Kooperation. Zeige uns, wie wir handeln und helfen können. Vater unser ...

+ 120 Der Tod hat nicht das letzte Wort, das Leiden hat ein Ende. Einmal wischt Gott die Tränen fort, wir falln in seine Hände
Der Tod ist nicht der letzte Schritt, wir gehen nicht verloren. Weil Christus lebt, nimmt er uns mit, wir werden neu geboren.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott segne dein Ja zu allem, was lebt. und dein Nein gegen das Unrecht.
Gott segne die Demut deines Herzens, die Klarheit deiner Worte, die Kraft deiner Hände und gebe dir Frieden. Amen.

Lese-Gottesdienst am 7. November 2021

Lese-Gottesdienst am 7. November 2021

(Text: Pfr. Koring. Musik-Einspielung: Susanne Weingart-Fink)

 

Gott sei mit euch – in der Gnade, die Jesus Christus, unser Herr, gewährt;
in der Liebe, die Gott schenkt; in der Gemeinschaft, die der Heilige Geist bewirkt.

Es ist durchaus nicht egal, wie wir leben, was wir für einander empfinden und wie wir miteinander umgehen, was wir denken und wofür wir uns einsetzen. Denn: Wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden.

426 Es wird sein in den letzten Tagen, so hat es der Prophet gesehn, da wird Gottes Berg überragen alle anderen Berge und Höhn. Und die Völker werden kommen von Ost, West, Süd und Nord, die Gott Fernen und die Frommen, zu fragen nach Gottes Wort. Auf, kommt herbei! Lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!

Es wird sein in den letzten Tagen, so hat es der Prophet geschaut, da wird niemand Waffen mehr tragen, deren Stärke er lange vertraut. Schwerter werden zu Pflugscharen, und Krieg lernt keiner mehr. Gott wird seine Welt bewahren vor Rüstung und Spieß und Speer. Auf, kommt herbei! Lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!

Kann das Wort von den letzten Tagen aus einer längst vergangnen Zeit uns durch alle Finsternis tragen in die Gottesstadt, leuchtend und weit? Wenn wir heute mutig wagen, auf Jesu Weg zu gehn, werden wir in unsern Tagen den kommenden Frieden sehn. Auf, kommt herbei! Lasst uns wandeln im Lichte des Herrn.

909.2 Herr erweise uns deine Gnade und gib uns dein Heil
Deine Hilfe ist nahe denen, die dich fürchten, so dass in unserem Land deine Ehre wohne,

dass Güte und Treue einander begegnen Gerechtigkeit und Friede sich küssen

dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue

dass uns der Herr Gutes tue und unser Land seine Frucht gebe

dass Heilung vor ihm hergehe und seinen Schritten nachfolge. (Psalm 85)

Gott, du bist mitten unter uns, du schenkst uns deine liebende Aufmerksamkeit. Aber oft vermissen wir dich.
Sorgen und Streit, Krieg und Katastrophen lassen uns an dir zweifeln. Wir bitten dich:
öffne unsere Augen, dass wir deine Güte sehen; öffne unsere Ohren, dass wir auf deine Gnade hören;
stärke unsere Hände, dass wir deinen Frieden in unseren Taten ausbreiten gegen Verzweiflung und Müdigkeit. Amen.

Jes 58 Löst die Fesseln der zu Unrecht Gefangenen, bindet ihr drückendes Joch los! Macht jeder Unterdrückung ein Ende! Teil dein Brot mit dem Hungrigen, nimm die Armen und Obdachlosen ins Haus auf. Wenn du einen nackt siehst, bekleide ihn, entzieh dich nicht deinem Nächsten! Dann bricht dein Licht hervor wie die Morgenröte, deine Heilung schreitet schnell voran. Deine Gerechtigkeit zieht vor dir her, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.

293 Lobt Gott den Herrn, ihr Völker all, lobt Gott von Herzensgrunde, preist ihn, ihr Völker allzumal, dankt ihm zu aller Stunde, dass er euch auch erwählet hat und mitgeteilet seine Gnad in Christus, seinem Sohne.

Denn seine groß Barmherzigkeit tut über uns stets walten, sein Wahrheit, Gnad und Gütigkeit erscheinet Jung und Alten und währet bis in Ewigkeit, schenkt uns aus Gnad die Seligkeit; drum singet Halleluja.

Predigt zu Ps 85 Güte und Treue werden einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede einander küssen

Die Sehnsucht nach Frieden ist alt. Seit Menschen Häuser und Städte bauen, Werkzeuge und Waffen herstellen, ist der Friede nicht sicherer geworden; im Gegenteil: die galoppierende Entwicklung in Technik und Wirtschaft scheint den Frieden immer wieder in Frage zu stellen.

Zwar können wir uns nicht vorstellen, dass die Länder Europas jemals wieder gegeneinander Krieg führen werden, aber wir haben am Krieg im ehemaligen Jugoslawien erlebt, wie schwelende Konflikte und unversöhnte Gegensätze in Gewalt, Vertreibung, Völkermord und langewährenden Hass umschlagen.
Sobald Gefühle die Arbeit des Verstandes ersetzen, sobald Feindbilder die Wahrnehmung verschleiern, rutschen wir schnell in den Strudel des Misstrauens und in Eskalation der Gewalt. Wenn zwischen den Eliten der Staaten die Abgrenzung zunimmt, wenn sie aufhören, Recht und Toleranz zu wahren und die Freiheit mit Verantwortung zu verbinden, dann mag ein Funke genügen, um einen Brand zu entfachen.

Anreize zum Unfrieden erleben wir im Alltag an vielen Stellen: als gedankenlose Vereinfachung, als Halbwahrheit oder als gezielte Lüge, die sich freilich als „alternative Tatsache“ ausgibt: Klima- und Corona-Leugner, Verschwörungsanhänger formen sich ihre eigene Welt. Halbwahrheiten lassen vergessen, dass die Wahrheit größer ist.

Verdruss und Energieverlust entstehen daraus, dass Entscheidungs- und Verwaltungsabläufe zu nicht den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden. Ebenso hinken die Denk- und Verhaltensweisen vieler Bürger hinter den Herausforderungen der Zeit hinterher. Darüber lagert ein Dunst von Verschleierung und Verharmlosung - und der weckt Misstrauen und lähmt die Tatkraft. Die Jugendlichen machen immer wieder auf die Fülle der Versäumnisse aufmerksam. Probleme, die nicht beim Namen genannt und offen ausgebreitet werden, machen sich selbständig – in der Regel erdrutschartig. Das kennen wir aus dem Streit mit Geschwistern, dem Ehepartner, dem Konflikt in der Arbeitswelt.

Friede ernährt - Unfriede verzehrt. So ist in dem abgebildeten Wappen zu lesen. Zwei Figuren stehen voreinander. Ihre Füße zeigen noch an, dass sie aufeinander zugehen. Soeben begegnen sie sich, neigen sich einander zu, ihre Lippen berühren sich zum Kuss, die Arme sind zueinander ausgestreckt zur Umarmung.

In den Händen hält die von links gekommene Schwert und Waage, die von rechts herzugetretene Figur trägt in ihrer Hand einen Palmwedel. Die Gegenstände verraten, wen wir vor uns haben: pax und justitia, Friede und Gerechtigkeit. Die beiden, soviel ist auf den ersten Blick klar - die beiden mögen sich. Sie halten zusammen, sie ergänzen einander. Gerechtigkeit ist die Seele des Friedens, und der Friede ist der Garten, in dem Gerechtigkeit blüht. Miteinander fördern sie das Wohlergehen der Menschen. Mit ihrer augenfälligen Zuneigung geben sie ein deutlich positives Signal: sie ermuntern uns, aufeinander zuzugehen, niemanden auszugrenzen oder links liegen zu lassen; sie ermuntern uns, nicht an Zeichen der Freundlichkeit und des Wohlwollens zu sparen.

Friede und Gerechtigkeit brauchen einander. Das wäre ein schlechter Friede, der für das Unrecht kein Auge hätte und der Gut und Böse ver­mengen würde. Das wäre eine harte Gerechtigkeit, die schonungslos unser Ungenügen aufrechnete: wann wäre das Gute je gut genug? Je für sich könnten Gerechtigkeit und Friede unser Leben nicht bessern, wohl aber beide zusammen! Sie wollen Recht und Unrecht scheiden, Gut und Böse aufwiegen; sie wollen zum Einlenken bewegen, zur Versöhnung ermutigen. Sie wollen bei der Wahl der Mittel die zerstörerischen Waffen meiden und die friedlichen Mittel der Konfliktlösung bevorzugen.

Aber wie stehen sie da? Sie begegnen uns merkwürdig handlungsunfähig, zwar in der Freude, dass eine der anderen zu Hilfe eilt, aber doch auffällig undienstlich, so intim in aller Öffentlichkeit. Friede und Gerechtigkeit freuen sich an ihrer gegenseitigen Ergänzung. Sie küssen einander, richtig demonstrativ. Sie demonstrieren damit, dass unsere Gegensätze zu schade sind, um nur als Zündstoff für unsere Konflikte zu dienen: Wir können sie - wie die beiden Tugenden - mit liebevoller Phantasie ausbalancieren und zur Ergänzung bringen.

Diese Kartusche krönt das Portal des Schlosses Friedenstein in Gotha. Während des 30jährigen Krieges, nach mehrfacher Verwüstung der Stadt, wurde auf dem Berg, wo zuvor die Burg Grimmenstein stand, Schloss Friedenstein erbaut. Friede ernährt - Unfriede verzehrt. Die Darstellung lehnt sich an den Psalm an:

Güte und Treue werden einander begegnen,
Gerechtigkeit und Friede einander küssen,
Treue wird auf der Erde wachsen und Gerechtigkeit vom Himmel schauen.

Der Beter stellt die zärtliche Verbindung zwischen Gerechtigkeit und Frieden in einen größeren Zusammenhang. Er deutet ein weltbewegendes Unternehmen an, eine Arbeitsgemeinschaft göttlicher Kräfte auf der Baustelle des irdischen Friedens. Gott schlägt nicht mit dem Schwert drein, sondern hält das Schwert über unseren Köpfen zurück. Gottes Gerechtigkeit wiegt nicht unsere guten Taten gegen unsere Versäumnisse und Verfehlungen auf. Vielmehr ist es gerade der Kuss, der hier Gottes Gnade verrät. Gott will uns zurechtbringen, gerecht-machen, heilen.

Gott will uns zu sich ziehen, in uns wohnen, durch uns wirken. Wo immer seine Gerechtigkeit und sein Friede ein Menschenherz küssen, da verschenkt Gott sich selbst. Seine Umarmung, sein Kuss schafft neue Menschen, glückliche, fröhliche, umgängliche, hilfsbereite, gütige, zuverlässige Menschen. Gewiss, es sind zuerst göttliche Kräfte, die sich zur Zusammenarbeit verbinden. Es kann aber der Friede nur Gestalt annehmen, wenn auch wir Menschen zur Zusammenarbeit mit Gott bereit sind. Die Güte Gottes, alles was er Gutes an uns tut und mit uns vorhat - sie will beständig angenom­men und beharrlich ausgeübt und ausgeteilt werden. Darin, dass wir bei dem Guten bleiben und Gott beim Tun des Gerechten unterstützen, darin erweisen wir unsere Treue zu ihm.

Wo sich Menschen von Gottes Güte zurechtbringen lassen, da erleben sie an sich selbst den zarten Kuss, der heilt und Frieden bringt. Liebe löst das Verknotete auf, sie ordnet das Verworrene. Wie sie heilend vom Himmel herabschaut, so dürfen wir in Treue zu Gott aufschauen. Gott und Mensch sind keineswegs himmelweit auseinander, sondern Gott wohnt mitten unter uns. Der Beter sagt: „Ehre wohnt im Land.“ Ehre umfasst die Achtung, die Treue, das Vertrauen, das wir Gott entgegenbringen. Ehre umhüllt uns als Licht, das von Gott ausgeht, als Glanz, der ihn umgibt.

Wenn wir in unserem Herzen, im Denken und Fühlen der lichtvoll-heilsamen Nähe Gottes Raum schaffen, damit Gott in uns wohnen kann, dann werden wir Frieden erleben - in uns selbst und in unseren Beziehungen; dann werden wir fähig, Frieden zu gestalten .“Attempto“ sagte Herzog Eberhardt - packen wir’s an! - Gott helfe uns. Amen.

651 Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt. Selig seid ihr, wenn ich Lasten tragt.

Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt. Selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.

Selig seid ihr, wenn ihr Leiden merkt. Selig seid ihr, wenn ihr ehrlich bleibt.

Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht. Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt.

Gütiger Gott, die Welt ist zerrissen von konkurrierenden Interessen, gespalten durch unversöhnliche Gegensätze, durch Egoismus und Hass. Wir sind schnell im Urteilen und Verurteilen, aber langsam im Verzeihen und Verbinden.

Hilf uns, einander zu respektieren, anzuerkennen und voneinander zu lernen. Hilf den Zerstrittenen, Paaren, Eltern und Kindern, miteinander auszukommen. Hilf uns in allen Kirchen zu einem versöhnten, fröhlichen Miteinander.

Hilf uns, die Schwachen zu stärken, Bedrängte zu schützen, Hungrige zu speisen, Verzweifelte aufzurichten.
Lass die, denen die Wasserfluten alles genommen haben, wieder ins Leben finden.

Segne die soziale Arbeit, die in unserer Stadt und in den Krisengebieten der Welt ausgeübt wird. Segne alle, die sich darin engagieren, segne die, denen sie zugutekommt. Allen, die Verantwortung für das Gemeinwohl tragen, gib einen klaren Blick für das Not-wendige. Hilf uns, sie in ihren Aufgaben zu unterstützen. Vater unser ...

423 Herr, höre, Herr, erhöre, breit deines Namens Ehre an allen Orten aus; behüte alle Stände durch deiner Allmacht Hände, schütz Kirche, Obrigkeit und Haus. // Lass alle, die regieren, ihr Amt getreulich führen, schaff jedermann sein Recht, dass Fried und Treu sich müssen in unserm Lande küssen, und segne beide, Herrn und Knecht.

Gib uns den lieben Frieden, mach alle Feind ermüden, verleih gesunde Luft, lass keine teuren Zeiten auf unsre Grenzen schreiten, da man nach Brot vergebens ruft. // Sei allen Kindern Vater, den Müttern sei Berater, den Kleinen gib Gedeihn; und ziehe unsre Jugend zur Frömmigkeit und Tugend, dass sich die Eltern ihrer freun.

Komm als ein Arzt der Kranken, und die im Glauben wanken, lass nicht zugrunde gehn. Die Alten heb und trage, auf dass sie ihre Plage geduldig mögen überstehn. // Bleib der Verfolgten Stütze, die Reisenden beschütze, die Sterbenden begleit mit deinen Engelscharen, dass sie in Frieden fahren zur ewgen Ruh und Herrlichkeit.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott segne dein Ja zu allem, was lebt. und dein Nein gegen das Unrecht.
Gott segne die Demut deines Herzens, die Klarheit deiner Worte, die Kraft deiner Hände und gebe dir Frieden. Amen.

Lese-Gottesdienst am 24. Oktober 2021

Lese-Gottesdienst am 24. Oktober 2021

(Text: Pfr. Koring. Musik-Einspielung: Susanne Weingart-Fink)

 

Gott sei mit euch – in der Gnade, die Jesus Christus, unser Herr, gewährt;
in der Liebe, die Gott schenkt; in der Gemeinschaft, die der Heilige Geist bewirkt.

Wochenspruch: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.(Römer 21,21)

136,1 O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

2 O du, den unser größter Regent uns zugesagt: komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt. Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

3 Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je; darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh. Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu und musst uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

4 Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit, trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben das Evangelium.

Psalm: Singet dem Herrn ein neues Lied; singet dem Herrn, alle Welt! .Singet dem Herrn und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil! Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern !Sagt unter den Heiden: Der Herr ist König Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; es solle jauchzen alle Bäume im Walde vor dem Herrn; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit. (Psalm 98)

Gütiger Gott, Du gibst uns Chancen und Segen in Fülle. Du heilst, was verwundet ist und darniederliegt. So komm auch zu uns und bring in Ordnung, was verworren verkrampft und verfehlt ist. Hilf uns, unsere Gaben und Grenzen anzunehmen und mit unserer Kraft Gutes zu wirken. Amen.

Eph 6, 14-17 Steht fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens. Vor allen Dingen ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen; nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.

377, 1 Zieh an die Macht, du Arm des Herrn, wohlauf und hilf uns streiten. Noch hilfst du deinem Volke gern, wie du getan vorzeiten. Wir sind im Kampfe Tag und Nacht, o Herr, nimm gnädig uns in acht und steh uns an der Seiten.

2 Mit dir, du starker Heiland du, muss uns der Sieg gelingen; wohl gilt's zu streiten immerzu, bis einst wir dir lobsingen. Nur Mut, die Stund ist nimmer weit, da wir nach allem Kampf und Streit die Lebenskron erringen.

3 Drängt uns der Feind auch um und um, wir lassen uns nicht grauen; du wirst aus deinem Heiligtum schon unsre Not erschauen. Fort streiten wir in deiner Hut und widerstehen bis aufs Blut und wollen dir nur trauen.

4 Herr, du bist Gott! In deine Hand o lass getrost uns fallen. Wie du geholfen unserm Land, so hilfst du fort noch allen, die dir vertraun und deinem Bund und freudig dir von Herzensgrund ihr Loblied lassen schallen

 

Matth 10, 34-39 Ihr sollt nicht meinen, ich sei gekommen, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Die eigenen Hausgenossen werden Feinde werden. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.

 

Eine harte Rede. Will sie Hass und Zwietracht säen? Uns gellen die Rufe des Gottesgerichtes im Ohr: Allah huakbar. Wir wissen, wieviel Gewalt im Kleinen wie im Großen verübt wurde im Namen des Gottes Jesu Christi. Schläge und Vergewaltigungen, Anprangern, Geißeln, Verbrennen – unzählig viele haben durch die Machtgier und Engstirnigkeit der hohen Vertreter der Kirche ihr Leben lassen müssen. Religion als Brandbeschleuniger – das darf nicht sein.

Aber es steht nun einmal da: Nicht Frieden, sondern Schwert, Auseinandersetzung, Kampf und Sieg. Wie hat Jesus das gemeint? In der trügerischen Annahme, endlich über die dunkle, böse Seite - d.h. über die Anderen zu siegen, haben sich Christen oftmals dazu verleiten lassen, andere zu unterdrücken und auszurotten. Die an der brutalen Machtausübung als letztem Mittel festhalten wollen, beeilen sich zu sagen: Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen: Feinde lieben, Sanftmut üben, Frieden stiften – so kann man doch nicht den Glauben leben.

Das Schwert zieht eine Grenze: die einen sind drin, die anderen draußen, die einen gut, die anderen böse. Das Schwert spaltet. Die sich hinter dem Schwert sammeln, die gehören zusammen – als Volk, als Sippe, als Familie. Das Schwert ignoriert die Vielfalt und Verschiedenheit derer, die das Schwert schwingen. Hier zählt nur eins: „Hau drauf.“

Im Alltag nehmen wir vielerlei Schwerter zur Hand, nie eines aus Stahl, viele sind aus Worten geschmiedet, manche aus bösen Blicken, andere aus tauben Ohren, viele aus Achselzucken und Hartherzigkeit. Stattdessen sollen wir, wie Paulus der Gemeinde in Ephesus ans Herz legt, die geistliche Ausrüstung tragen: Helm, Schild, Panzer, und das Schwert des Geistes, das Wort Gottes.

Zu dieser Ausrüstung gehört die Kraft zu sagen: Vater, vergib ihnen; sie wissen ja nicht, was sie tun. Die Kraft, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern das Böse mit Gutem zu überwinden. Alle, die sich hinter dem geistlichen Schwert sammeln, die immer wieder versuchen, das Wort Gottes zur Geltung kommen zu lassen und statt Tod neues Leben aufblühen zu lassen, die bilden eine große Familie aus Müttern und Väter, Schwestern und Brüdern.

Sie sind nicht blutsverwandt, aber geistesverwandt, eben Kinder Gottes. Familienstrukturen sollen dem Leben dienen, oft brechen sie auseinander, bieten keinen Halt, sondern rauben die letzte Kraft. Oft machen sie krank, sperren ein, üben Zwang aus, schnüren die Luft ab.

Im Guten wie im Schlechten legt die Familie die Grundlagen für Verhaltensweisen, Werte und Lebensstil. Diese Übereinstimmung ernährt den Zusammenhalt, sie stärkt die Motivation, gemeinsame Ziele anzustreben, z.B. einen Betrieb zu führen oder eine bestimmte Rolle im öffentlichen Leben auszufüllen.

Ähnlich zusammenhaltend und verpflichtend wirkt auch die Ausübung der Religion: vor Zeiten man war so schwäbisch wie pietistisch oder so bayrisch wie katholisch. In dem von religiösen Gegensätzen zerfurchten und gespaltenen Europa haben sich die Kirchen lange voneinander abgeschirmt, umso härter jedoch trafen die Gegensätze in den Familien aufeinander: „Mr kommt koi Katholische ins Haus“ – und prompt war die Braut katholisch. Zugleich wissen die sogenannten Mischehen von tiefen Verletzungen, von Sturheit und Starrheit der Pfarrer und der Gemeinden zu erzählen. Aus Nichtigem wurden schroffe Gegensätze und tiefe Gräben zwischen den Menschen.

Neuerlich erleben wir starre Gegensätze und tiefe Spaltungen in den Familien anlässlich der Corona-Regelungen. Die natürliche Verschiedenheit von Temperament, Naturell und Lebenseinstellung wird zum unüberbrückbaren Entweder-Oder hochstilisiert. Familiäre Einigkeit zerbricht an der versöhnlichen Fixierung auf Ablehnung, Einbildung und Verweigerung. Familien werden zum Schauplatz erbitterter Feindschaft.

Solche Gegensätze im Glauben waren vor zweitausend Jahren in jüdischen Familien aufgebrochen. Die einen sahen in dem Mann aus Nazareth einen die Tora brechenden Verführer, die anderen den gesalbten und von Gott gesandten Herzenskönig. Fünf Strömungen wetteiferten darum, das reine Judentum darzustellen: die Rechtgläubigkeit der Priester, der Machtanspruch der Traditionalisten, die Rechtschaffenheit der Pharisäer, der Freiheitsdrang der Zeloten und die Gemeinschaft derer, die den Gekreuzigten als Christus verehrten. Wenige Jahre nach dem Tod von Petrus und Paulus zerschlugen die Römer den jüdischen Widerstand, zerstörten Jerusalem und führten das Wahrzeichen des Judentums, den siebenarmigen Leuchter, im Siegeszug durch Rom.

Das politische Scheitern des Judentums führte die einzelnen Gruppierungen nicht näher zueinander, sondern verfestigte die alten Gräben. Insbesondere die Pharisäer und die nach der Art Jesu an Gott Glaubenden grenzten sich scharf voneinander ab. Beide verstanden sich als Treuhänder des Gotteswortes, als Nachfolger der Propheten, die einen als Jünger von Mose, die anderen als Jünger von Jesus. Stephanus und Jakobus, der Bruder Jesu, waren unter den ersten, die ihren Glauben an den Christus mit dem Leben bezahlen mussten.

Für Christen war in der Nachfolge ihres Herrn der Lebenspreis festgesetzt: Nachfolgen bedeutet: Kreuz tragen, Verfolgung auf sich nehmen, im schlimmsten Fall den Tod erleiden. Das war hart und heftig, aber konsequent, denn wenn der Meister durch seinen Tod ins Leben einging, warum sollten seine Jüngerinnen und Jünger nicht den gleichen Weg durchs Sterben ins Leben gehen? Sie suchen Trost und Vergewisserung bei ihrem Herrn.

Der Evangelist Matthäus formuliert diese Erfahrung seiner Zeitgenossen als Antwort Jesu: es gibt keinen Weg, um den Frieden zu erlangen, der am Leiden vorbeiführen würde. Wer an Jesus als den Christus glaubt, kann nicht zugleich den Weg der Zeloten oder der Pharisäer gehen. Wer an Jesus als den Christus glaubt, kann sich nicht in die Komfort-Zone des familiären Zusammenhalts zurückziehen. Nachfolge bedeutet nicht tutti frutti, von allem das Beste. Im Gegenteil, die Gegensätze brechen auf schmerzliche Weise besonders heftig in den Familien auf.

Wie aber sollen wir, die wir Jesus nachfolgen, mit solchen Spannungen umgehen? Gewiss werden wir nicht zum Schwert greifen oder in vielen Fragen einen rigorosen Kurs einschlagen. Kreuzzüge führen nicht in den Himmel, sondern stets in die Hölle. Wir werden auch in unseren Familien nicht die Messer wetzen. Wir werden weder uns selber unterwerfen noch andere verstoßen. Wir werden Gegensätze stehen lassen und Spannung aushalten. Wir werden Verschiedenheit respektieren und auch in anderen Ausprägungen des Glaubens das Wirken Gottes erkennen. Wir selber sind nicht das Maß aller Dinge. Wir treten hinter unseren Meister zurück. Selbstbehauptung und Selbstverleugnung liegen nahe beieinander. Um das eine vom anderen zu unterscheiden, orientieren wir uns an der Hingabe Christi. Ihm ähnlich zu werden ist unser größter Wunsch. Dann werden wir in Gott sein und Gott in uns.


87 Dein Kampf ist unser Sieg,/ dein Tod ist unser Leben;/ in deinen Banden ist/ die Freiheit uns gegeben./ Dein Kreuz ist unser Trost,/ die Wunden unser Heil,/ dein Blut das Lösegeld,/ der armen Sünder Teil.

O hilf, dass wir auch uns/ zum Kampf und Leiden wagen/ und unter unsrer Last/ des Kreuzes nicht verzagen;/ hilf tragen mit Geduld/ durch deine Dornenkron,/ wenn's kommen soll mit uns/ zum Blute, Schmach und Hohn.

Gebet Gütiger Gott, die Welt ist zerrissen von konkurrierenden Interessen, gespalten durch unversöhnliche Gegensätze, durch Egoismus und Hass. Wir sind schnell im Urteilen und Verurteilen, aber langsam im Verzeihen und Verbinden. Hilf uns, einander zu respektieren, anzuerkennen und voneinander zu lernen. Hilf den Zerstrittenen, Paaren, Eltern und Kindern, miteinander auszukommen. Hilf uns in allen Kirchen zu einem versöhnten, fröhlichen Miteinander.

Hilf uns, die Schwachen zu stärken, Bedrängte zu schützen, Hungrige zu speisen, Verzweifelte aufzurichten.
Lass die, denen die Wasserfluten alles genommen haben, wieder ins Leben finden.

Segne die soziale Arbeit, die in unserer Stadt und in den Krisengebieten der Welt ausgeübt wird. Segne alle, die sich darin engagieren, segne die, denen sie zugutekommt. Allen, die Verantwortung für das Gemeinwohl tragen, gib einen klaren Blick für das Notwendige. Hilf uns, sie in ihren Aufgaben zu unterstützen. Vater unser ...

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er segne dein Ja zu allem, was lebt. und dein Nein gegen das Unrecht. Gott segne die Demut deines Herzens, die Klarheit deiner Worte, die Kraft deiner Hände,
er gebe dir Frieden. Amen.

 

 

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